Persönliche Gedanken über den Verein

 

Beim Durchsehen einiger Exemplare der Vereinszeitschrift Vilmos Tell, welche mir kürzlich von André Vije − Redaktor des Vilmos Tell in den Jahren 2012 und 2013 − nach deren Auffinden zugestellt wurden, bin ich darauf gestossen, dass André in der letzten noch von ihm redigierten Ausgabe einen Artikel mit dem Titel „In eigener Sache“ zu publizieren gedachte, welcher jedoch im da­maligen Vorstand auf Widerstand stiess und letztlich der Streichung zum Opfer fiel.

Aus persönlichen und prinzipiellen Gründen möchte ich aber nicht unterlassen, allen Interessierten die vor Jahren nicht publizierte Ausgabe heute doch noch zugänglich zu machen. Sie finden sie auf der Seite Anhang / Dokumente unter dem Namen Vilmos Tell vom September 2013.

Falls Sie dies noch nicht getan haben, sollten Sie jedoch bevor Sie hier weiterlesen, am besten den Artikel auf Seite 18 der betreffenden Ausgabe lesen.

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Um was ging es, und was war an dem Artikel derart „explosiv”, dass einige Leute im Vorstand fanden, er sei zu „scharf” und dürfe so nicht verschickt werden?

André Vije hat sich – schlicht und einfach ausgedrückt - gefragt, ob er wirklich Mitglied in einem „Schweizer-verein” sei. Und er hat auch die Gründe dargelegt, warum er sich diese Frage stellte.

Ich weiss, es ist kein einfaches Thema, aber Tatsache ist, dass mir persönlich 3 Ehepaare und mehrere Einzelpersonen bekannt sind, die sich aus genau den von André angesprochenen Gründen vom Verein zurückgezogen haben. Und mit Sicherheit waren es noch deutlich mehr.

Man kann nun sagen, wir sind in Ungarn, und da wird halt ungarisch gesprochen. Aber ganz so einfach ist es nicht. Wir sind ein Schweizerverein oder geben uns zumindest als einen solchen aus. Aber.... in einem Schweizerverein wird Deutsch, Französisch, Italienisch oder Rätoromanisch gesprochen. Punkt!

Oder denkt jemand, dass man in den ungarischen Vereinen in der Schweiz sich auf deutsch unterhält? Nein, ich weiss, dass dort natürlicherweise vorwiegend ungarisch gesprochen wird. Je nach Standort zusätzlich wohl auch Deutsch, Französisch oder Italienisch.

Nun ist bekanntlich unser Verein insofern etwas speziell, als sich unsere Mitgliedschaft vorwiegend aus sogenannten Exilungarn rekrutiert, welche nach der Wende in ihre alte Heimat zurück gekehrt sind. Und selbstverständlich hat man Verständnis dafür, dass die Ungarn unter sich auch ihre Muttersprache sprechen möchten. Aber muss das wirklich auch im Schweizerverein so sein? Sollte und darf man nicht eigentlich erwarten, dass man sich auch als eingebürgerter Schwei­zer zumindest im Verein etwas anpasst und sich hier als „Schweizer” präsentiert?

Angepasst haben sich die „Urschweizer” ihrerseits ja auch in einem gewissen Mass. Ich denke an die Anfangsjahre des Vereins zurück. Damals befanden sich noch wesentlich mehr gebürtige Schweizer sowohl im Land wie auch im Verein, vielfach Geschäftsleute, die leider, nachdem ihre Stellen in den Folgejahren nach und nach durch Ungarn ersetzt wurden, wieder in die Schweiz zurück kehrten. Trotzdem wurde mit Rücksicht auf die „Rückwanderer” aus der Schweiz zumindest bei allen offiziellen Anlässen von Anfang an nicht etwa Dialekt sondern Hochdeutsch ge­sprochen. Und dies geht nicht nur einem Berner wie mir.... sagen wir mal.... schon etwas gegen den Strich, aber man tut es halt.

Im Bewusstsein, dass in unserem Kreis sich aber auch Personen befinden die der deutschen Sprache gar nicht mächtig sind, haben wir seinerzeit versucht, bei bestimmten Anlässen eine Aufteilung der Tische in „Ungarisch” respektive „Deutsch” vorzunehmen, damit keiner sich ausgeschlossen fühlen muss. Dies hatte aber letztlich nicht den erhofften Erfolg.

Das Resultat: Es blie­ben – „Weil ja doch nur ungarisch gesprochen wird – immer mehr Personen den Anlässen fern. Anfänglich nur dem Stammtisch, weil es dort am schlimmsten ist", dann auch weiteren Anlässen, und letztendlich dann dem Verein.

Ich denke, es wäre nicht schlecht gewesen, man hätte damals das Problem offen zur Sprache gebracht, statt es einfach unter den Tisch zu wischen. Bestimmt hätte man bei der Mitgliedschaft Verständnis gefunden. Immerhin sprechen die allermeisten der Ungarischsprachigen auch deutsch – vielleicht halt mehr oder weniger gut – und diejenigen die nur ungarisch sprechen, hätte man bestimmt nicht im Regen stehen lassen. Und nebenbei – wesentliche Angelegenheiten (Generalversammlung etc.) wurden schon immer ins Ungarisch übersetzt.

Nun ja, André hat das Ganze beileibe nicht so drastisch ausgedrückt wie ich es jetzt tue, aber ich finde, er hatte zumindest das Recht, einiges im unserem Verein in Frage zu stellen. Er hatte sich sogar angeboten, Anlässe zu organisieren, bei welchen man dann ausschliesslich deutsch gesprochen hätte.

Schade, ich wusste damals nichts von Allem, hätte es aber begrüsst, wenn man offen darüber gesprochen und eine Lösung gesucht hätte. Dass aber das Thema vom Vorstand einfach unterdrückt wurde.... na ja, dazu mag sich Jeder seine eigenen Gedanken machen.

Fazit: Ich selber stand wie André in all den vergangenen Jahren im SVU auch gelegentlich vor der Frage, ob ich hier eigentlich am richtigen Ort bin.

Und zuletzt noch etwas Arges, was aber meines Erachtens genug aussagt: Mir wurde einmal von einem der dann leider aus dem Verein austretenden „Urschweizer” nahe gelegt, dass man den Verein eigentlich umbenennen müsste, beispielsweise in einen „Verein von Ungarn mit schweizerischen Inte­res­sen".

 

Vielleicht sollte man dies ja wirklich tun  (Kleiner Scherz)

Heinz W. Jüni