Blick in die Zukunft des Vereins

 

Wie so viele Vereine, sowohl in der Schweiz wie wohl auch europaweit, sieht sich der SVU seit einigen Jahren mit Problemen konfrontiert. Das wohl schwerwiegendste davon ist der Mangel an Nachwuchs, was sich unter Anderem bei der Besetzung von Funktionen im Vorstand bemerkbar macht. Schon mehrmals stand man vor der Situation, dass der eine oder andere Posten zumindest vorübergehend vakant geblieben ist, und schliesslich nur mit Mühe und viel Zureden wieder besetzt werden konnte. Ein funktionsfähiger Vorstand ist aber unabdingbar, soll das Vereinsleben nicht erlahmen oder gänzlich erlöschen.

 

Die Verschärfung der Probleme lässt sich im Weiteren deutlich ablesen am Rückgang der Mitgliederzahl seit Beginn des Jahres 2013. Konnte der Verein Ende 2012 noch die stolze Zahl von 625 Mitgliedern verzeichnen, ging deren Zahl seither kontinuierlich zurück und liegt heute (Stand August 2017) bei nur noch etwa 160 aktiven Mitgliedern.

 

Ende 2009 habe ich letztmals eigenhändig die Statistik hinsichtlich der Mitgliederzahl aktualisiert. Die Zahlen der Jahre 1993 bis 2009 stellten sich damals wie folgt dar:

 

Entwicklung der Mitgliederzahl von 1993 bis 2009

 
 

Datum   
Mitglieder
31.12.93 200
31.12.94 237
31.12.95 305
31.12.96 314
31.12.97 404
31.12.98 409
31.12.99 514
31.12.00 531
31.12.01 602
31.12.02 625
31.12.03 500
31.12.04 476
31.12.05 491
31.12.06 505
31.12.07 484
31.12.98 490
31.12.09

471

 

 

Einhergehend mit dem Mitgliederschwund kommt noch ein weitaus schwer wiegenderer Faktor hinzu, nämlich die zunehmende Überalterung der Mitgliedschaft. Waren kurz nach der Wende noch relativ viele jüngerere Schweizer im Land - meist im Auftrag von CH-Firmen, die hierzulande Filialen oder Betriebe gründeten - kehrten diese Leute schon nach wenigen Jahren mit Kind und Kegel wieder in die Schweiz zurück, während Ungarn an ihre Stelle traten.

 

Schon vor zirka 8 Jahren war festzustellen, dass das Durchschnittsalter im Verein bei 69 Jahren lag. Heute dürfte es jedoch aufgrund von Sterblichkeit und fehlendem Nachwuchs wohl bereits bei 70 Jahren oder leicht darüber liegen. Zum Grossteil ist dies mit dem Umstand zu begründen, dass sich die Mitgliedschaft in der Mehrzahl aus "heimgekehrten" Exilungarn rekrutiert, welche nach der Pensionierung - also in einem bereits gesetzteren Alter - ihren Wohnsitz in die alte Heimat zurück verlegt haben, während ihre Kinder in den allermeisten Fällen in der Schweiz geblieben sind.

 

Die Gründe der Heimkehrer mögen zum Teil sentimental bedingt sein (Heimweh), ist der Ungar doch traditionell sehr heimatverbunden. Vielfach dürfte aber davon auszugehen sein, dass auch handfeste finanzielle Erwägungen beim Entscheidungsprozess ausschlaggebend oder doch zumindest mit beteiligt waren, denn Tatsache ist, dass es sich mit einer AHV-Rente in Ungarn schlicht und einfach deutlich besser leben lässt als in der Schweiz.

 

Fazit: Die Zukunft des SVU mag in einigen Belangen nicht sehr rosig aussehen, aber solange der Verein es schafft seinen Mitgliedern im richtigen Rahmen ein Stück der alten (oder vorübergehend neuen) Heimat zu vermitteln, hat er sicherlich weiterhin seine Existenzberechtigung.

Hierzu wäre es jedoch meines Erachtens wünschenswert und an der Zeit, dass innerhalb des Vereinsvorstandes ein Umdenken stattfindet. Anlass zu diesem Gedanken gibt mir das Gespräch mit dem ehemaligen Vereinsmitglied H.W., welcher mich kürzlich aus persönlichen Gründen angerufen hat, mir dann aber während des Gesprächs auch die Gründe dargelegt hat, welche ihn zum Austritt aus dem SVU bewogen haben.

Tatsache ist, dass in den letzten Jahren die Anlässe von Jahr zu Jahr aufwendiger und teurer wurden, und insbesondere für die Bezüger einer kleinen Altersrente nicht mehr attraktiv, respektive nicht mehr finanzierbar sind. Oder konkret ausgedrückt: Es gibt eine ganze Reihe von Mitgliedern, welche sich bestimmte Vereinsanlässe nicht mehr leisten können.

Bei praktisch jedem Anlass werden Unkostenbeiträge von 5'000 bis zu (aktuell) 7'000 Forint fällig, wobei zusätzlich auch noch die Kosten für Getränke sowie allfällige Fahrtkosten anfallen. Für ein Ehepaar summiert sich dies sehr rasch auf 20'000 Forint.

Zu einem schönen Teil ist dies verständlicherweise auf die Teuerung zurück zu führen, von welcher auch Ungarn nicht verschont geblieben ist. Aber man denkt doch unwillkürlich an die Zeit zurück, in welcher zumindest die Generalversammlung und in der Regel auch die Weihnachtsfeier noch ganz selbstverständlich kostenfrei für die Mitgliedschaft waren. Zugegeben, es kam halt statt eines Menüs nur ein „Kalter Teller“ auf den Tisch, dies aber gratis und franko, und wenn die Kasse gut genug stand, kam dazu vor Beginn der GV auch noch ein Kaffee plus Pogatschen. Und ja, gemütlich plaudern und sich unterhalten konnte man genau so gut und so viel wie heute auch noch. Das Wichtigste aber war: Die Leute kamen an die Generalversammlung, und ich stand oft genug vor einem prall gefüllten Saal mit 150-200 oder gar mehr Personen.

Zunehmend fraglich erscheinen (nicht nur mir) in diesem Zusammenhang auch die nun schon fast üblich gewordenen zwei- oder dreitägigen Ausflüge. Etwas, was früher eher ausnahmsweise organisiert wurde. Sicherlich kann dies schön und angenehm sein.... für diejenigen welche daran teilnehmen (können!).

Tatsache ist jedoch, dass die Teilnahme nur einer Minderheit der Mitglieder möglich ist, nämlich:

  • denjenigen, welche in Budapest oder unmittelbarer Nähe leben, und die zusätzlich

  • über die notwendigen finanziellen Mittel verfügen

Der Rest der Mitgliedschaft jedoch zahlt buchstäblich nur „drauf“, nämlich über diejenigen Kosten, welche „zu Lasten der Kasse“ übernommen werden.

Mein oben erwähnter Gesprächspartner machte mich in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, dass er jeweils in Budapest im Hotel hätte übernachten müssen, wenn er frühmorgens den Reisebus des Vereins erreichen wollte.

Hier vermisse ich die mahnende Stimme von Silvia Juhász, welche uns – wenn im Vorstand jemand unter dem Traktandum "Vorschläge betreffend Anlässe" zu übermütig wurde - immer wieder daran erinnert hat, dass längst nicht jeder in der Schweizerkolonie über eine grosszügig bemessene Rente verfügt.

Wäre es also nicht vielleicht an der Zeit, sich auf etwas mehr Bescheidenheit zu besinnen, und vielleicht gerade damit den Verein attraktiver zu gestalten?

An der Generalversammlung 2019 wird ein neuer Vorstand zu wählen sein und man darf hoffen, dass es diesem gelingen wird, mit neuen Ideen, Elan und guter Zusammenarbeit neues Leben in den Verein zu bringen.

Zu wünschen wäre es.

 

Budakeszi, im November 2018

Heinz W. Jüni